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Einkaufstipps für Künstliche Intelligenz – Teil 1

2021-01-04 von Johannes Humbert (LinkedIn | Twitter)

Unternehmen können Künstliche Intelligenz nicht wie herkömmliche Software handhaben. Wir brauchen ein grundsätzlich anderes Verständnis, wie Künstliche Intelligenz in der Wirtschaft eingesetzt werden kann.

Künstliche Intelligenz (KI) kann nicht wie herkömmliche Software gehandhabt und eingekauft werden, weil sie sonst ihr enormes Potenzial als Wettbewerbsvorteil einbüßen würde. Um einen strategischen Vorteil zu generieren – und nicht nur die Augenhöhe mit dem Wettbewerb zu halten – ist es notwendig, KI als strategisches Produkt zu begreifen.

Als Analogie kann uns die Elektrifizierung von Fabriken ab den 1880er Jahren dienen. Damals verzeichnete die Elektrizität zuerst keine Effizienzgewinne gegenüber den Dampfmaschinen. Erst als man feststellte, dass Maschinen nun nicht mehr nach ihrem Energiebedarf nahe oder weiter entfernt von den Dampfgeneratoren angeordnet werden mussten, sondern vielmehr entsprechend der Arbeitsabläufe gestellt werden konnten, kam es zu jenem wirtschaftlichen Quantensprung, den wir heute mit jener Phase verbinden.

Was ist gemeint, wenn wir von KI sprechen?

KI meint heute Technologien wie Machine Learning, Deep Learning und Reinforcement Learning. Diese sind im Kern hochentwickelte statistische Methoden, welche uns unter anderem Aufschluss über das Verhalten von Kunden geben oder Sprache auf menschlichem Niveau auswerten können. Nur mit Hilfe von KI kann ein Computer aus dem Gesprächskontext heraus verstehen, ob “Bank” etwas ist, auf dem man sitzen kann, oder eine Organisation, die Geld verwaltet und verwahrt.

Im Kontrast dazu sind herkömmliche IT-Systeme darauf ausgelegt, bereits verstandene Prozesse effizienter oder nach neuen Mustern abzuwickeln. Wenn wir heute von Digitalisierung sprechen, ist das im besten Fall eine disruptive Prozessinnovation. Doch häufig bleibt es bei der Abbildung von analogen Prozessen in digitalen Formaten.

Der Return on Investment (ROI) von KI ist herkömmlichen IT-Lösungen überlegen.

Sowohl durch herkömmliche IT als auch durch KI-basierte Systeme können Wettbewerbsvorteile erzielt werden. Doch der Nutzen, der sich aus einer KI-Anwendung ergibt, ist meist deutlich höher. Tatsächliche Prozessinnovationen können einfacher und nachhaltiger realisiert werden.

Nur mit KI ist es möglich, Regeln und Verhalten aufzudecken, welche ansonsten verborgen geblieben wären. Außerdem fungiert KI als steuernde Einheit, die den Ablauf von Prozessen aktiv gestalten und individuell anpassen kann.

Mit Natural Language Understanding (NLU) ist es zum Beispiel möglich, Anliegen, Dringlichkeit, Stimmung sowie Informationen aus unstrukturierter Kommunikation wie E-Mails oder WhatsApp herauszulesen. Diese Effizienz in der Informationsverarbeitung erlaubt es, Kunden in Echtzeit individuell zu bedienen und dabei Informationen aus allen verfügbaren Kanälen und Systemen vollumfänglich und ohne Verzögerung zu berücksichtigen. Keine Frage bleibt unbeantwortet, keine vorherige Begebenheit unberücksichtigt. Kommunikation wird skalierbar.

Ausgestattet mit historischen Daten und erweitert um Methoden aus dem Bereich des Reinforcement Learning, wird so eine Lösung nicht nur in der Lage sein, effektive Kommunikation ohne steigende Grenzkosten zu gewährleisten. Sie wird sich darüber hinaus fortlaufend selbst optimieren und automatisch an veränderte Bedingungen anpassen.

Diese Dimension von Effizienz und Automatisierung ist mit herkömmlichen Systemen schlicht nicht darstellbar.

Warum macht es wenig Sinn, KI-basierte Systeme so einzukaufen wie herkömmliche IT?

Grundsätzlich ist jeder Wettbewerbsvorteil auf der Basis von Technologie zeitlich begrenzt. Wenn alle anderen einen Chatbot bauen, muss man mitziehen, aber es wird sich wahrscheinlich nichts an der Produktivität des Unternehmens ändern.

Künstliche Intelligenz, mit der sich ein echter Wettbewerbsvorteil realisieren lässt, erfordert immer eine teilweise wissenschaftliche Projektgestaltung. Es geht darum, Erkenntnisse zu gewinnen, die vorher nicht absehbar waren, nicht darum, Bestehendes und Bekanntes in neue Formate zu gießen. KI ist eine gestaltende Technologie, welche die Art, wie Unternehmen operieren, grundsätzlich verändern wird. Im Gegensatz dazu ist SaaS immer commodity, ein reiner Gebrauchsgegenstand.

Management Teams, die sich konsequent für die Technologisierung ihres Verantwortungsbereichs mit KI-basierter Software entscheiden, werden dies also fast notwendigerweise in einem Programm tun, welches es erlaubt, Kernbereiche der eigentlichen Wertschöpfung neu zu denken und zu gestalten.

Lesen Sie in Teil 2, welche Themen beim Einkauf von KI gegenüber herkömmlicher Software zu beachten sind.