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42 muss nicht die Antwort sein.

2021-05-25 von Johannes Humbert (LinkedIn | Twitter)

Ja, “Per Anhalter durch die Galaxis” ist Fun, ist Belletristik im wahrsten Sinne des Wortes. Und da stellt sich natürlich die Frage, was das hier im Blog zu suchen hat? Aus zwei Gründen: Heute ist internationaler Handtuch-Tag. Das würde eigentlich schon reichen. Doch Douglas Adams, der Verfasser, hatte sich intensiv mit Künstlicher Intelligenz beschäftigt. Und mich damit auch…

Angefangen mit Marvin, dem depressiv-suizidalen Roboter. In diesem Kosmos an verrückten Ideen und Szenarien, die in der fünfteiligen Trilogie auftauchen, nimmt er schon eine Ausnahmestellung ein. Man muss wirklich erstmal auf die Idee kommen, so etwas wie einen depressiven Roboter mit Selbstmordgedanken als Figur zu etablieren. Vor allem, wenn man bedenkt, wann das alles geschrieben wurde - in den 1970ern.

User error…

Und dann natürlich Deep Thought, der Supercomputer, der Vorgänger der Erde. Wie bitte? Ja, die Erde ist ein Supercomputer, der die einzige Aufgabe hat(te), die eigentlich Frage nach dem Sinn des Lebens, des Universums und dem ganzen Rest zu ermitteln. Denn die Antwort hatte Deep Thought nach siebeneinhalb Millionen Jahren Rechenzeit ja geliefert, sie lautete: 42. Nur konnte sich Deep Thought nicht mehr an die eigentliche genaue Frage erinnern. Deshalb wurde die Erde erbaut, um das zu klären. Leider wurde die Erde aber vorher von den Vogonen zerstört, um Platz für eine galaktische Hyperraum-Expressroute zu machen.

42!

Okay, etwas weit hergeholt, mag man meinen, wenn man da den Bogen zu KI machen will. Doch eigentlich ist es ganz einfach: KI ist kein Wunderding, KI kann nicht alle Probleme lösen. Schon gar nicht, wenn man keinen klaren Fokus hat, warum man KI einsetzen möchte - oder den ursprünglichen Grund im Umsetzungsprozess aus den Augen verliert, so wie Deep Thought. KI kann ein mächtiges Instrument sein, um im Business erfolgreich weit nach vorne zu kommen. Besonders im Bereich NLP, Natural Language Processing. Doch es lohnt sich, sich immer und immer wieder, sich elementare Fragen zu stellen. Wie beispielsweise “Was will ich eigentlich erreichen? Was sind meine KPIs?” Nur um des Selbstzweckes willen “etwas mit KI” zu machen, weil KI gerade so angesagt ist, führt nämlich zu Resultaten wie 42…

Das erinnert auch etwas an einen Sketch von Monty Python (die Namensgleichheit zu unserer bevorzugten Programmiersprache ist wirklich Zufall) - “Die Maschine mit dem Bing”: in einem Krankenhaus, ein Operationssaal, viele wichtige Ärzte und - eine Maschine. Diese Maschine macht “Bing”. Darüber reden die Ärzte stolz. “Ahh, da ist sie ja, unsere neueste Anschaffung, war ganz schön teuer.”, “Ach, ist das die Maschine, die “Bing” macht?”, “Jaaa! Das ist sie!” Ja, und keiner der Ärzte hat auch nur einen blassesten Schimmer, wofür diese Maschine eigentlich gut ist, warum sie angeschafft wurde, für viel Geld. Sie wissen nur, dass sie “Bing” macht. Oder um hier wieder den Bogen zu schlagen: “Bing” ist etwas wie 42.

Vorhersage und Realität

“Per Anhalter durch die Galaxis” ist aber auch deshalb interessant, weil so manche Dinge, die darin vorkommen, heute bereits Realität sind. Zum Erscheinungszeitpunkt undenkbar und als verrückt abgetan, sind beispielsweise E-Books (der eigentliche Reiseführer durch die Galaxis - mit Touchscreen!), der Inhalt dessen (ein Crowdsourcing-Projekt von “irgendwelchen vorbeikommenden Fremden”) oder der Babelfisch (ein Simultanübersetzer im Ohr) sowie “Eddie”, der intelligente (aber unterforderte, und deshalb leicht depressive) Bordcomputer des Raumschiffs “Herz aus Gold” beispielsweise in Sprachassistenten wie Siri oder Alexa heute Alltag. Eine detaillierte Aufzählung dazu lesen Sie beispielsweise hier: https://1e9.community/t/diese-6-technologien-hat-per-anhalter-durch-die-galaxis-vorhergesagt/904

Im Ernst:

Der Anlass, der internationale Handtuch-Tag, mag seltsam anmuten, Humor auf Teufel komm raus und so. Doch das ist ein Ernst gemeinter Ratschlag von uns an Sie: Verlieren Sie bei KI-Projekten weder das Ziel aus den Augen, noch vergessen Sie den eigentlichen Grund dafür. Zu KI gehören einfach klar definierte KPIs, Strategien, Zielvorstellungen und und und …

… und wenn Sie möchten, schicken wir Ihnen neben einer kurzen Demo zu unseren NLP-Lösungen auch den ersten Band von “Per Anhalter durch die Galaxis” zu. Aber nur heute. Denn nur heute ist internationaler Handtuch-Tag. In diesem Sinne:

Happy Towel Day!

PS: Warum eigentlich internationaler “Handtuch-Tag”? Weil das der erste und beste Tipp im Reiseführer “Per Anhalter durch die Galaxis” ist - immer ein Handtuch dabei haben. Ein Handtuch ist so ziemlich das Nützlichste, was ein interstellarer Anhalter bei sich tragen kann. Es ist von großem praktischem Wert - man kann sich zum Wärmen darin einwickeln, wenn man über die kalten Monde von Jaglan Beta hüpft; man kann an den leuchtenden Marmorsandstränden von Santriaginus V darauf liegen, wenn man die berauschenden Dämpfe des Meeres einatmet; man kann unter den so rot glühenden Sternen in den Wüsten von Kakrafoon darunter schlafen; man kann es als Segel an einem Minifloß verwenden, wenn man den trägen und bedächtig strömenden Moth-Fluß hinuntersegelt, und naß ist es eine ausgezeichnete Nahkampfwaffe; man kann es sich vors Gesicht binden, um sich gegen schädliche Gase zu schützen oder dem Blick des Gefräßigen Plapperkäfers von Traal zu entgehen (ein zum Verrücktwerden dämliches Vieh, es nimmt an, wenn du es nicht siehst, kann es dich auch nicht sehen - bescheuert wie eine Bürste, aber sehr, sehr gefräßig); bei Gefahr kann man sein Handtuch als Notsignal schwenken und sich natürlich damit abtrocknen, wenn es dann noch sauber genug ist.

Was aber wichtiger ist: Ein Handtuch hat einen immensen psychologischen Wert. Wenn beispielsweise ein Nicht-Anhalter merkt, dass ein Anhalter sein Handtuch bei sich hat, wird er automatisch annehmen, er besäße auch Zahnbürste, Waschlappen, Seife, Keksdose, Trinkflasche, Kompass, Landkarte, Bindfadenrolle, Insektenspray, Regenausrüstung, Raumanzug und so weiter. Und er wird dann dem Anhalter diese oder ein Dutzend andere Dinge gerne leihen, die der Anhalter zufälligerweise gerade “verloren” hat. Er denkt nämlich, dass ein Mann, der kreuz und quer durch die Galaxis trampt, ein hartes Leben führt, in die dreckigsten Winkel kommt, gegen schreckliche Übermächte kämpft, sich schließlich an sein Ziel durchschlägt und trotzdem noch weiß, wo sein Handtuch ist, eben ein Mann sein muss, auf den man sich verlassen kann.